Bibelgesprächskreis

Das Buch Jesaja

»Prophetie muss das Wagnis eingehen, die Gegenwart im Licht der Zukunft und das Faktische unter dem Anspruch des Ausstehenden zu verstehen. Ob Jesaja ben Amoz es so oder ähnlich gesagt hätte, werden wir nie wissen. Aber so hat seine Prophetie gewirkt, und so wurde sie zum Nukleus eines ganzen Buchs, das von seiner ersten bis zur letzten Seite das Risiko und das Wagnis darstellt, die Welt unter den Anspruch des Wortes Gottes zu stellen.«

Andreas Schüle, Das Jesajabuch heute lesen, Zürich 2023.

Wer das Buch Jesaja von Anfang bis Ende liest, hat nicht nur Respekt für seinen Langmut bei der Lektüre der 66 Kapitel des biblischen Buches verdient. Darüber hinaus macht der Leser wahrscheinlich auch eine ambivalente Leseerfahrung: Auf der einen Seite finden sich die wunderbaren Verheißungsworte, die wir Christen besonders in der Advents- und Weihnachtszeit im Ohr haben (vgl. Jesaja 7,14; 9,1ff.; 11,1-6.; 40,3), hoffnungsvolle Worte über einen zukünftigen Frieden und Versöhnung (vgl. Jesaja 42,3; 52,7; 54,13; 56,7), anrührenden Trost für Menschen in Leid (vgl. Jesaja 25,8; 28,12; 61,1-2) und sprachliche Kleinode, denen sich einige der schönsten Verse der Lieder unseres Gesangbuchs verdanken (vgl. z.B. 50,4-5. und Jochen Kleppers Lied »Er weckt mich alle Morgen«, Ev. Gesangbuch Nr. 452). Auf der anderen Seite finden sich düstere Worte der Ankündigung von Unheil und Sprüche, die ein Gericht über das Volk Israel oder andere Völker ankündigen. Und wer nun den Ablauf des ganzen Buches vor Augen hat, der stellt fest, dass uns die Unheilsworte überwiegend, fast ausschließlich in der ersten Hälfte des Buches begegnen und dass spätestens ab dem 40. Kapitel ein anderer Ton angestimmt wird: »Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist« (Jesaja 40,1-2). Dieser Stimmungsumschwung im Verlauf des Prophetenbuches wurde bereits im Mittelalter bemerkt. Die Einteilung des Buches in 66 Kapitel ist ein Ausdruck dessen, denn diese sind dem Text erst im Mittelalter beigefügt worden. Die Intention der Kapiteleinteilung war es, die inhaltliche Ausrichtung des ersten, 39 Kapitel umfassenden Teils und des zweiten Teils mit 27 Kapiteln mit der Zahl der Bücher des Alten Testaments (39 Bücher) und des Neuen Testaments (27 Bücher) zu parallelisieren. So wurde das Buch Jesaja zu einer Bibel im Kleinen erklärt und in der jüdischen sowie ihr folgend in der protestantischen Tradition zum »Stimmführer« der Propheten der Bibel erkoren.

Die Beobachtung der sich im Laufe des Buches verändernden theologischen Aussage wurde in der neuzeitlichen Erforschung der Bibel durch die Erkenntnis historischer Ungereimtheiten ergänzt. Und so gehört zu einer der ältesten Erkenntnisse der historisch-kritischen Erforschung der Bibel, dass sich das Buch Jesaja nicht einem einzigen Propheten als Autor verdanken kann. Vielmehr entstand das Buch über Jahrhunderte hinweg, und neben dem historischen Propheten Jesaja aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. haben viele weitere Tradenten des Buches bis in das 3. Jahrhundert v. Chr. ihre Spuren hinterlassen. In unterschiedlichen Variationen geht man daher heute davon aus, mehrere Bücher vor sich zu haben

Protojesaja             Erster Jesaja
Kapitel 1-39,

Deuterojesaja        Zweiter Jesaja
Kapitel 40-55,

Tritojesaja              Dritter Jesaja
Kapitel 56-66.

Die Reihe der Bibelgesprächsabende widmet sich dieses Mal dem biblischen Jesajabuch mit vier Themen, die verschiedene Aspekte des facettenreichen Buches, in ihrer theologischen, historischen und kulturgeschichtlichen Tiefe ansprechen.

Sie sind herzlich zu den folgenden vier Abenden eingeladen. Es bedarf keines Vorwissens – noch wäre der Langmut der eigenen Lektüre vorausgesetzt – sondern nur der Neugierde und des Interesses am Gespräch, der Diskussion und dem Austausch.

Bibelgesprächskreis | Das Buch Jesaja, Teil IV

5. März 2024 | 20.00 Uhr - 22.00 Uhr

Das Buch Jesaja
... und die Entdeckung des Monothteismus im Judentum

Bibelgesprächs­kreis

Das Buch Jesaja

»Prophetie muss das Wagnis eingehen, die Gegenwart im Licht der Zukunft und das Faktische unter dem Anspruch des Ausstehenden zu verstehen. Ob Jesaja ben Amoz es so oder ähnlich gesagt hätte, werden wir nie wissen. Aber so hat seine Prophetie gewirkt, und so wurde sie zum Nukleus eines ganzen Buchs, das von seiner ersten bis zur letzten Seite das Risiko und das Wagnis darstellt, die Welt unter den Anspruch des Wortes Gottes zu stellen.«

– Andreas Schüle, Das Jesajabuch heute lesen, Zürich 2023

Die Reihe der Bibelgesprächsabende widmet sich dieses Mal dem biblischen Jesajabuch mit vier Themen, die verschiedene Aspekte des facettenreichen Buches, in ihrer theologischen, historischen und kulturgeschichtlichen Tiefe ansprechen.

  • Jesajas Ankündigung des Messias und das Weihnachtsfest
  • Der historische Prophet Jesaja und das geheimnisvolle Wort von der Verstocktheit des Volkes Israel
  • Der andere Prophet Jesaja und die neue Hoffnung
  • Das Jesajabuch und die Entdeckung des Monotheismus im Judentum

Sie sind herzlich zu den folgenden vier Abenden eingeladen. Es bedarf keines Vorwissens – noch wäre der Langmut der eigenen Lektüre vorausgesetzt – sondern nur der Neugierde und des Interesses am Gespräch, der Diskussion und dem Austausch.

Bibelgesprächskreis | Das Buch Jesaja, Teil IV

5. März 2024 | 20.00 Uhr - 22.00 Uhr

Das Buch Jesaja
... und die Entdeckung des Monothteismus im Judentum