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Bibelgesprächsabend | Die Ursprünge der höchsten christlichen Feste, Teil I
20. Januar 2026 | 20.00 Uhr - 22.00 Uhr
WEIHNACHTEN
Früher war es noch verbreiteter, nicht von »Weihnachten«, sondern von der ›der Weihnacht‹ zu sprechen. Weihnachten ist ursprünglich die Mehrzahl von (der) Weihnacht. Der Name diese Festes kommt aus dem Mittelhochdeutschen: »Weihnachten« ist ein alter Dativ der Merhzahl ze den wihen nahten (›zu den heiligen Nächten‹). In dem ersten ›Weih-‹ lebt noch das vorchristliche Wort althochdeutsch wih ›heilig‹ (auch in ›weihen‹, ›Weihbischof‹). ›Weihnacht‹ heißt also wörtlich ›Heilige Nacht‹. So singen wir ›Stille Nacht, heilige Nacht‹ und sprechen von Christabend als dem ›Heiligen Abend‹.« (Friso Melzer 1951)
Das Datum der Geburt Jesu von Nazareth ist nicht bekannt. Erst im 4. Jahrhundert findet sich der früheste Beleg, dass der vermeintliche Geburtstag Jesu mit einem Fest am 25. Dezember begangen worden ist. Aber auch die Quellen aus dieser Zeit geben keinen Aufschluss darüber, wie es zu dieser Entscheidung kam. Im 19. Jh. hat sich eine Theorie über den Ursprung des Weihnachtsfestes herausgebildet, die bis heute eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich hat: »Das Datum des 25. Dezembers bezeichnet die Wintersonnenwende nach dem julianischen Kalender, das Geburtsfest des Sol invictus, nachdem dieser 275 durch Kaiser Aurelian an die Spitze des römischen Pantheons gestellt worden ist, und das Geburtsdatum des Sonnengottes Mithras, dessen Kult im kaiserzeitlichen Rom blühte.« Das christliche Weihnachtsfest wäre demnach »das Ergebnis einer unmittelbaren Übernahme und ›Christianisierung‹ des Festes Natalis Solis Invicti [der Geburt des Sol Invictus], entweder um die Christen von heidnischen Festen fernzuhalten oder in bewußter oder unbewußter Aufnahme herrschender kultureller Strömungen«. (Susan K. Roll/Rainer Stuhlmann, 2003)
Zu diesem heidnischen Ursprung des Weihnachtsfestes hält der Theologe Rudolf Bultmann (1884–1976) fest: »Die Wissenschaft hat gezeigt, dass das Weihnachtsfest an die Stelle eines alten heidnischen Festes getreten ist, dass Weihnachten aus einem heidnischen Fest in ein christliches verwandelt wurde. Dann muss doch wohl in jenem heidnischen Fest schon etwas liegen, was es geeignet macht (ob bedacht oder unbedacht), zu einem christlichen zu werden. Dann muss aber doch wohl auch der Umwandlung deutlich werden, worauf es bei dem christlichen Fest eigentlich ankommt. Es wird aber auch die Möglichkeit bestehen, dass uns das christliche Fest immer wieder zum heidnischen wird. Also ist die Besinnung dringend.« (Rudolf Bultmann 1984)
Dieser Besinnung dient der erste Abend dieser Reihe, an dem wir uns nicht nur mit den historischen Hintergründen, sondern auch mit der neutestamentlichen Botschaft hinter diesem Fest näher beschäftigen. Dazu betrachten wir das älteste Zeugnis des Neuen Testaments zur Geburt Jesu; es stammt vom Apostel Paulus: »Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, auf dass er die, die unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Kindschaft empfingen.« (Galater 4,4–5)